Use Cases
Prozessautomatisierung
Prozessautomatisierung ersetzt wiederkehrende, regelbasierte Arbeitsschritte durch Software, die Daten liest, prüft und weiterleitet – ohne manuelles Abtippen. Für Betriebe sinken dadurch Bearbeitungszeit und Fehlerquote bei Routinevorgängen wie Rechnungsprüfung oder Dateneingabe.
Das Wichtigste in Kürze
- Bitkom 2024 (n=1.103): Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen plant/nutzt KI zur Automatisierung von Geschäftsprozessen
- Klassische RPA automatisiert feste, regelbasierte Schritte wie Dateneingabe oder Rechnungsabgleich
- KI-gestützte Varianten verarbeiten zusätzlich unstrukturierte Inhalte wie Freitext oder Scans
- Faustregel (keine Studie, eigene Einschätzung): Amortisation oft binnen 12–24 Monaten, je nach Prozessvolumen
Was ist das?
Prozessautomatisierung bedeutet, dass eine Software feste Arbeitsschritte selbstständig ausführt – etwa eine Bestellung ins Warenwirtschaftssystem einpflegen oder eine Rechnung mit dem Lieferschein abgleichen. Der Ablauf ist vorher festgelegt wie ein Kochrezept: Passiert A, folgt B. Mitarbeitende stoßen den Prozess an oder prüfen das Ergebnis, die Zwischenschritte erledigt die Maschine.
Die klassische Form heißt Robotic Process Automation (RPA). Laut Microsoft automatisiert RPA Geschäftsabläufe, indem regelbasierte Aufgaben nachgebildet und automatisch ausgeführt werden – die Software zeichnet dabei die Klick-Schritte auf, die ein Mensch bisher manuell erledigt hat. Solche Bots übernehmen also Copy-Paste-Arbeit zwischen Systemen, ohne dass eine aufwendige neue Schnittstelle programmiert werden muss.
Künstliche Intelligenz erweitert diesen Ansatz: Statt nur starrer Regeln kann Software inzwischen auch unstrukturierte Inhalte verstehen – Freitext in E-Mails, handschriftliche Notizen auf Lieferscheinen, uneinheitlich formatierte PDFs. Laut dem Bitkom Digital Office Index 2024 plant mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen (n=1.103) bereits KI-gestützte Lösungen zur Automatisierung von Geschäfts- und Verwaltungsprozessen oder setzt sie schon ein. Der Trend geht also klar von starrer Regel-Automatisierung zu flexibleren, KI-gestützten Varianten.
Was bringt das eurem Betrieb?
Prozessautomatisierung lohnt sich dort, wo dieselbe Tätigkeit viele Mal pro Woche anfällt: Rechnungsprüfung, Angebotserstellung, Urlaubsanträge, Dateneingabe aus Formularen. Statt dass jemand Daten manuell von einem System ins andere überträgt, übernimmt das die Software – Mitarbeitende prüfen nur noch Ausnahmen.
Der konkrete Nutzen zeigt sich an zwei Stellen: Bearbeitungszeit pro Vorgang sinkt, weil kein Medienbruch mehr nötig ist, und die Fehlerquote sinkt, weil Zahlendreher oder vergessene Schritte wegfallen. Das reduziert auch das Risiko, dass wichtige Fristen – etwa Zahlungsziele oder Rückmeldefristen – wegen Zeitdrucks verpasst werden.
Ein weiterer Effekt: Bei Fachkräftemangel bindet Automatisierung weniger Personal an Routinearbeit. Die freigewordene Zeit lässt sich für Aufgaben nutzen, die Urteilsvermögen brauchen – etwa Kundengespräche oder die Prüfung komplexer Sonderfälle.
Was kostet das?
Die Kosten hängen stark vom Prozess ab: Wie viele Systeme müssen verbunden werden, wie strukturiert sind die Daten, wie viele Ausnahmefälle gibt es? Ein einfacher Prozess mit einer Schnittstelle ist deutlich günstiger als ein Ablauf, der mehrere Altsysteme und unstrukturierte Dokumente einbindet.
Das erste KI-System zum Festpreis ab 3.500 € (AI READY) – das deckt einen klar abgegrenzten, einzelnen Prozess ab. Komplexere Automatisierungen mit mehreren Schnittstellen oder hohem Prüfaufwand liegen darüber; ein genauer Wert lässt sich erst nach Betrachtung des konkreten Prozesses seriös nennen.
Laufende Kosten entstehen meist für Hosting, Wartung und gelegentliche Anpassungen, wenn sich ein vorgelagertes System ändert. Das ist einplanbar, aber oft kein großer Posten gegenüber der eingesparten Arbeitszeit.
Beispiel aus dem Mittelstand
Zur Veranschaulichung (Modellrechnung, kein realer Kundenfall): Ein Maschinenbauer mit 60 Mitarbeitenden bekommt täglich rund 40 Eingangsrechnungen per E-Mail und Post. Bisher tippte eine Buchhaltungskraft Lieferant, Betrag und Bestellnummer von Hand ins ERP-System – rund zwei Stunden pro Tag, mit gelegentlichen Zahlendrehern. Nach der Automatisierung liest eine Software die Rechnung aus, gleicht sie mit der Bestellung ab und legt nur strittige Fälle einer Mitarbeiterin zur Prüfung vor. Die Buchhaltungskraft kontrolliert statt zu tippen – der Prozess dauert nur noch Minuten.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Prozessautomatisierung und RPA?
RPA (Robotic Process Automation) ist die klassische, regelbasierte Form der Prozessautomatisierung: feste Skripte führen immer dieselben Schritte aus. KI-gestützte Prozessautomatisierung kann zusätzlich unstrukturierte Inhalte wie Freitext oder Scans verstehen und ist damit flexibler, aber auch komplexer in der Einrichtung.
Lohnt sich Prozessautomatisierung auch für kleine Betriebe?
Das hängt weniger von der Betriebsgröße als vom Prozess ab: Wiederholt sich eine Aufgabe oft genug und ist sie klar strukturiert, rechnet sich die Automatisierung auch bei wenigen Mitarbeitenden. Nach unserer Erfahrung lohnt sich ein genauer Blick ab Prozessen, die mehrere Stunden pro Woche binden.
Welche Prozesse eignen sich am besten für den Einstieg?
Gut geeignet sind Abläufe mit klaren Regeln und wiederkehrenden Daten – etwa Rechnungsprüfung, Angebotserstellung oder die Beantwortung von Standard-Anfragen. Prozesse mit vielen Ausnahmen oder häufig wechselnden Regeln sind schwerer zu automatisieren und sollten zuerst vereinfacht werden.
Ersetzt Prozessautomatisierung Mitarbeitende?
In der Regel übernimmt die Software die repetitiven Zwischenschritte, nicht die Entscheidung oder den Kundenkontakt. Mitarbeitende prüfen Ausnahmefälle und Ergebnisse – ihre Arbeitszeit verschiebt sich von Routine zu Kontrolle und komplexeren Aufgaben.
Quellen
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