Grundbegriffe
Agentic AI
Agentic AI plant mehrstufige Aufgaben eigenständig, ruft Werkzeuge wie APIs auf und entscheidet Zwischenschritte selbst – statt nur auf einen Prompt zu antworten. Das bringt Betrieben mehr Automatisierung, aber auch neue Fragen zu Kontrolle und Haftung.
Das Wichtigste in Kürze
- Anthropic definiert einen Agenten als KI-System, das Werkzeuge nutzt, um Code auszuführen, APIs aufzurufen oder mit anderen Agenten zu kommu
- Autonomie ist ein Spektrum: von 'macht exakt das Angeforderte' bis 'trifft eigene Entscheidungen ohne Rückfrage'
- Der EU AI Act definiert KI-Systeme über 'unterschiedliche Grade an Autonomie' (Art. 3 Abs. 1) – Agentic AI fällt darunter
- Faustregel: Je höher die Autonomie, desto wichtiger werden Freigabeprozesse und Protokollierung
Was ist das?
Ein klassischer KI-Assistent beantwortet eine Frage und ist fertig. Agentic AI geht einen Schritt weiter: Sie bekommt ein Ziel – etwa 'prüfe alle offenen Rechnungen und markiere Auffälligkeiten' – und zerlegt es selbst in Teilschritte, ruft dafür Werkzeuge auf und passt ihr Vorgehen an, wenn sich etwas ändert.
Anthropic beschreibt einen Agenten technisch als KI-System, das Werkzeuge nutzt, um Aktionen auszuführen, etwa Code laufen zu lassen, externe Schnittstellen anzusprechen oder mit anderen Systemen zu kommunizieren. Entscheidend ist dabei nicht die Technik allein, sondern der Grad an Autonomie.
Dieser Grad ist keine feste Eigenschaft, sondern verschiebt sich je nach Einsatz: Ein Agent mit geringer Autonomie führt nur aus, was explizit verlangt wurde; ein Agent mit hoher Autonomie trifft eigene Entscheidungen über das Wie und Was – mit wenig oder keiner menschlichen Kontrolle zwischendurch.
Rechtlich ist Agentic AI kein eigener Begriff, sondern fällt unter die allgemeine KI-System-Definition des EU AI Act: ein System, das 'mit unterschiedlichem Grad an Autonomie' arbeitet und aus Eingaben Entscheidungen oder Handlungen ableitet, die reale oder virtuelle Umgebungen beeinflussen. Wie riskant ein konkreter Agent eingestuft wird, hängt vom Einsatzbereich ab – nicht vom Etikett 'agentic'.
Was bringt das eurem Betrieb?
Für euren Betrieb ist Agentic AI vor allem dort interessant, wo mehrstufige Routineprozesse mit vielen kleinen Entscheidungen anfallen: Angebote prüfen und Rückfragen formulieren, Lieferantenanfragen abgleichen, E-Mail-Postfächer vorsortieren und dabei schon erste Antwortentwürfe erstellen.
Der Zeitgewinn entsteht nicht durch eine einzelne schnellere Antwort, sondern dadurch, dass eine ganze Kette von Klicks und Abgleichen wegfällt – vorausgesetzt, die Aufgabe ist klar genug definiert, dass der Agent nicht bei jedem Schritt nachfragen muss.
Gleichzeitig verschiebt sich das Risiko: Je autonomer ein System agiert, desto wichtiger werden klare Grenzen (welche Aktionen darf es selbstständig ausführen, welche nicht) und eine Protokollierung, damit im Zweifel nachvollziehbar bleibt, welche Entscheidung wie zustande kam.
Was kostet das?
Die Kosten hängen stark davon ab, wie viele Systeme der Agent anbinden muss (E-Mail, ERP, Warenwirtschaft, externe Datenbanken) und wie strikt Freigaben und Protokollierung gestaltet werden müssen – ein Agent, der nur liest, ist deutlich günstiger zu bauen als einer, der selbstständig Buchungen auslöst.
Nach unserer Erfahrung lohnt sich für den Einstieg meist ein eng abgegrenzter Anwendungsfall mit klarer Erfolgsmessung, statt gleich ein voll autonomes System für mehrere Abteilungen zu planen.
Euer erstes KI-System zum Festpreis ab 3.500 € (AI READY) – der genaue Aufwand richtet sich nach Anzahl der Schnittstellen, Komplexität der Freigabelogik und Testumfang.
Beispiel aus dem Mittelstand
Ein Großhändler für Elektroinstallationsmaterial mit 60 Mitarbeitenden bekommt täglich rund 40 Anfragen zu Lieferzeiten und Ersatzteilen per E-Mail. Statt jede Anfrage manuell im Warenwirtschaftssystem nachzuschlagen, übernimmt ein Agent das Auslesen der Anfrage, den Abgleich mit Lagerbestand und Liefertermin und erstellt einen Antwortentwurf, den ein Mitarbeitender nur noch prüft und abschickt. Komplexe Sonderfälle – etwa Reklamationen – landen weiterhin direkt bei einer Person, weil dafür bewusst keine automatische Freigabe eingerichtet wurde.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Agentic AI und einem normalen Chatbot?
Ein Chatbot beantwortet einzelne Fragen innerhalb eines Gesprächs. Agentic AI bekommt ein Ziel, plant selbst die nötigen Zwischenschritte und ruft dafür Werkzeuge wie Datenbanken oder APIs auf, statt nur zu antworten.
Ist Agentic AI im EU AI Act gesondert geregelt?
Nein, es gibt keine eigene Rechtskategorie 'Agentic AI'. Solche Systeme fallen unter die allgemeine Definition eines KI-Systems in Art. 3 Abs. 1 des EU AI Act, das mit unterschiedlichem Grad an Autonomie arbeitet – die konkreten Pflichten richten sich nach dem Einsatzbereich und Risiko, nicht nach dem Etikett.
Braucht jeder Agentic-AI-Einsatz volle Autonomie?
Nein, Autonomie ist ein Spektrum und lässt sich bewusst begrenzen. Viele sinnvolle Einsätze im Mittelstand geben dem Agenten nur Lese- oder Vorschlagsrechte, während kritische Aktionen weiterhin eine menschliche Freigabe brauchen.
Quellen
Verwandte Begriffe
Hinweis: Dieser Beitrag informiert allgemein und ersetzt keine Rechtsberatung. Verbindliche Aussagen für euren Einzelfall klärt ihr mit eurer Rechts- oder Datenschutzberatung.
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