Grundbegriffe
Open-Source-KI vs. proprietäre KI
Open-Source-KI stellt Modellgewichte, Code und Informationen zu den Trainingsdaten offen bereit; proprietäre KI bleibt Anbietereigentum und wird nur über Lizenz oder API genutzt. Für Betriebe entscheidet dies über Datenkontrolle, Kosten und Anbieterabhängigkeit.
Das Wichtigste in Kürze
- EU AI Act Art. 2: offene KI-Systeme sind von vielen Pflichten ausgenommen – Wirkung laut Fachjuristen oft gering
- GPAI-Modelle: Ausnahme gilt nur für zwei Pflichten (Doku, Infoweitergabe), nicht bei systemischem Risiko
- Open Source Initiative veröffentlichte die 'Open Source AI Definition 1.0' im Oktober 2024
- Faustregel: Selbst-Hosting spart laufende API-Kosten, braucht aber eigene Server und Wartung
Was ist das?
Der Unterschied lässt sich mit einem Firmenfahrzeug vergleichen: Proprietäre KI ist wie ein Leasingwagen – der Betrieb nutzt ihn nach festen Konditionen, der Hersteller kümmert sich um Wartung und Updates, aber unter die Motorhaube gibt es keinen Zugriff. Open-Source-KI ist wie ein Fahrzeug, das dem Betrieb gehört: Er kann es öffnen, anpassen, reparieren – muss sich aber auch selbst um Wartung und TÜV kümmern.
Rechtlich macht die Lizenzform tatsächlich einen Unterschied – allerdings mit Einschränkungen. Der EU AI Act nimmt frei lizenzierte KI-Systeme laut Artikel 2 von einem Teil der Pflichten aus, etwa wenn sie nicht als Hochrisiko-System eingesetzt werden und nicht unter verbotene Praktiken (Art. 5) oder Transparenzpflichten (Art. 50) fallen. Fachjuristen weisen darauf hin, dass diese Ausnahme in der Praxis nur begrenzte Wirkung entfaltet, weil die meisten Pflichten ohnehin Anbieter von Hochrisiko-Systemen betreffen. Bei General-Purpose-KI-Modellen ist die Ausnahme enger gefasst: Sie befreit nur von zwei konkreten Pflichten – technischer Dokumentation und Informationsweitergabe an nachgelagerte Anbieter – und gilt nicht, wenn das Modell ein systemisches Risiko darstellt.
Was als 'offen' gilt, ist dabei nicht immer eindeutig. Manche Anbieter nennen ihre Modelle open-source, schränken die kommerzielle Nutzung in der Lizenz aber trotzdem ein. Die Open Source Initiative veröffentlichte im Oktober 2024 die 'Open Source AI Definition 1.0'. Sie verlangt vollständigen Trainings- und Inferenzcode sowie ausführliche, nachvollziehbare Informationen über die Trainingsdaten – nicht zwingend die Rohdaten selbst, etwa wenn diese rechtlich nicht weitergegeben werden dürfen.
Was bringt das eurem Betrieb?
Die Wahl zwischen offener und proprietärer KI betrifft vor allem drei Prozesse: Datenverarbeitung, Kostenplanung und IT-Betrieb. Wer sensible Kundendaten oder Konstruktionspläne verarbeitet, gewinnt mit einem offenen, selbst gehosteten Modell mehr Kontrolle darüber, wo Daten liegen und wer Zugriff hat – das senkt das Risiko ungewollter Datenabflüsse an Drittanbieter.
Proprietäre Lösungen sparen dagegen Zeit beim Einstieg: keine eigene Serverinfrastruktur, kein Modell-Update-Management, dafür laufende Nutzungskosten und Abhängigkeit vom Anbieter. Für Betriebe ohne eigene IT-Abteilung ist das oft der pragmatischere Start, während offene Modelle sich eher lohnen, wenn Datenschutzanforderungen hoch sind oder das Nutzungsvolumen stark wächst.
Was kostet das?
Die Kosten hängen stark vom Nutzungsmuster ab, nicht von der Lizenzform allein. Proprietäre APIs rechnen meist nach Menge ab (Anfragen, Tokens) – planbar bei geringem Volumen, aber bei intensiver Nutzung schnell teuer. Offene Modelle verursachen keine Lizenzgebühren, dafür Kosten für Server oder Cloud-Rechenleistung, Betrieb und gelegentliche Anpassung (Fine-Tuning).
Einflussfaktoren für die Entscheidung: erwartetes Anfragevolumen, Anforderungen an Datenschutz und Serverstandort, vorhandene IT-Kompetenz im Betrieb und ob das Modell an die eigene Fachsprache angepasst werden soll. Ein erster Testaufbau – etwa ein einzelner Anwendungsfall zum Festpreis ab 3.500 € (AI READY) – zeigt meist innerhalb weniger Wochen, welche Variante zum Betrieb passt, bevor größere Investitionen anstehen.
Beispiel aus dem Mittelstand
Ein Maschinenbauer mit 60 Mitarbeitenden in Schleswig-Holstein will interne Dokumentation automatisch zusammenfassen lassen. Die IT-Leitung testet zunächst eine proprietäre API (schneller Start, laufende Kosten pro Anfrage), parallel ein offenes Modell auf einem eigenen Server (höhere Anfangsinvestition, aber volle Kontrolle über die Daten). Nach einem Monat entscheidet sich der Betrieb für die offene Lösung, weil Konstruktionspläne das Haus nicht verlassen dürfen – ein Kriterium, das in der Kalkulation von Anfang an mitgedacht wurde.
Häufige Fragen
Ist Open-Source-KI automatisch DSGVO-konform?
Nein – die Lizenz regelt nur, wer den Code und die Modellgewichte nutzen darf, nicht, wie personenbezogene Daten verarbeitet werden. Auch bei offenen Modellen sichert der Betrieb Serverstandort, Auftragsverarbeitung und Löschkonzepte selbst ab.
Fallen offene KI-Modelle unter den EU AI Act?
Teilweise: Nach Artikel 2 sind frei lizenzierte KI-Systeme von einem Teil der Pflichten befreit – außer bei Hochrisiko-Einsatz, verbotenen Praktiken (Art. 5) oder Transparenzpflichten (Art. 50). Bei General-Purpose-Modellen gilt die Ausnahme enger: Sie betrifft nur zwei Pflichten (technische Dokumentation, Informationsweitergabe) und entfällt bei systemischem Risiko.
Was ist günstiger – offene oder proprietäre KI?
Das hängt vom Nutzungsvolumen ab: Proprietäre APIs verursachen laufende Kosten pro Anfrage, offene Modelle brauchen eigene Server oder Cloud-Instanzen plus Wartung. Bei hohem, planbarem Datenaufkommen rechnet sich Selbst-Hosting oft schneller als bei sporadischer Nutzung.
Kann ich ein offenes Modell einfach herunterladen und nutzen?
Technisch ja, rechtlich kommt es auf die konkrete Lizenz an. Nicht jedes als 'open' beworbene Modell erfüllt die strengen Kriterien der Open Source AI Definition 1.0 der Open Source Initiative – manche Anbieter schränken kommerzielle Nutzung trotzdem ein.
Quellen
Verwandte Begriffe
Hinweis: Dieser Beitrag informiert allgemein und ersetzt keine Rechtsberatung. Verbindliche Aussagen für euren Einzelfall klärt ihr mit eurer Rechts- oder Datenschutzberatung.
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